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Startabbruch mit harter Landung

von Stefan Kaiser (Kommentare: 1)

Situation:

Im vergangenen Frühjahr hatten wir ein großes Firmenevent bei dem mit 6 Gyrocoptern den ganzen Tag Ründflüge veranstaltet wurden. Am Vortag hatten wir ein ausführliches Briefing mit allen Piloten und Hilfskräften. Bei dem Briefing wurde unter anderem besprochen, dass ich aufgrund meines Gewichtes nur leichte Passagiere in die Maschine gesetzt bekomme. Da kurzfristig eine Maschine ausgefallen ist, habe ich die erste hälfte des Tages die Rundflüge mit meiner eigenen Maschine (stärker motorisiert) gemacht. Nach der Instandsetzung der ausgefallenen Maschine habe ich nun auf eine andere gewechselt./(leichter motorisiert)
Dann hat das Drama begonnen.
Es war relativ warm, ich habe den Rotor und den Propeller nicht auf Verunreinigungen überprüft (Mücken Verschlechterung der Aerodynamik) und ich habe mir nicht den viel zu schweren Passagier angeschaut, den ich in die Maschine gesetzt bekam.
( für die Abfertigung wurden speziell eingewiesene Flughelferinnen eingesetzt, die sowohl den Passagier an einer stehenden Maschine zuvor eingewiesen, als auch beim Einsteigen unterstütz haben, damit der Pilot in der Maschine sitzen bleiben kann) Wir sind in 6er Formation auf einer 1250 m Piste gestartet.
Ich war die letzte Maschine.
Beim Startvorgang viel mir gleich die relativ schwache Leistung auf. Ich habe dennoch mit Mühen die Maschine in die Luft bekommen. Es gelang mir aber nicht eine ausreichende Geschwindigkeit oder ein akzeptables Steigen zu erreichen. Als ich merkte, dass ich es nicht über das am Pistenende stehende Waldstück schaffen würde, habe ich "viel zu langsam" und "viel zu niedrig" eine 180 grad Kurve geflogen und die Maschine in eine Wiese mit hohem Gras geprügelt.
Da ich glücklicherweise die Maschine relativ gerade auf das Hauptfahrwerk geknallt habe, konnte in der anschließenden Sonderinspektion (nach harter Landung) keine Beschädigungen nachgewiesen werden.

Ursache:

Maschine offensichtlich überladen.
Gewicht vom Passagier nicht überprüft.
Rotor und Propeller nicht auf Verunreinigungen überprüft.
Und vor allen "nicht rechtzeitig den Start abgebrochen"!!!

Gefahr:

Im Großen und Ganzen hab ich ein Mega Glück gehabt. Im schlimmsten Fall 2 Tote.
Ich hätte unter diesen Umständen auch in die Bäume kacheln können, oder während des Kurvenmanövers absaufen und mit einer Schräglage und mit Rotorberührung in den Boden einschlagen können.
Der Passagier wird wohl nie wieder in ein Luftfahrzeug einsteigen.

Lessons learned:

Das wichtigste ist, sich auf keinen Fall in der Fliegerei so zu stressen, dass man die wichtigen Überprüfungspunkte außer acht lässt.
Der schlimmste Fehler aber war wohl den Start nicht früh genug abzubrechen.
Ist sicher keine Schande!

 

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Kommentar von Ausbildungsleiter Schwarzwaldcopter |

Unabhängig von den schon genannten und erkannten Fehlern, die offensichtlich vor dem Start passiert sind, war es in diesem Moment die absolut richtige Entscheidung. Der Tragschrauber kann beim Aufsetzen einiges an Sinkgeschwindigkeit kompensieren, vorausgesetzt er wird sauber auf das Hauptfahrwerk gesetzt. Das wichtigste bei solch misslungenen Landeanflügen oder Startabbrüchen mit zu wenig Abfangenergie im Rotor ist eine saubere Aufsetzfluglage, kein driften und kein gieren.
Viele Grüße
Stefan

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